Wer ab und an im Kino sitzt oder zuhause ein Film schaut, kann sich sicherlich vorstellen, wie aufwendig es ist, einen Film zu drehen und erfolgreich zu vermarkten. Von der Planung bis zur Umsetzung, über den Schnitt bis zu den Tonaufnahmen muss alles bis ins letzte Detail stimmen. Sandra Wanners Film „YOU GET WHAT YOU GIVE“ glänzt ausserdem durch eine Besonderheit: Die Hauptrollen sind von normalen Menschen und deren Tieren besetzt. Beim Dreh mit Tieren muss man viele Dinge beachten, die bei einem Dreh mit Menschen aussenvor gelassen werden können.

Zu Beginn muss der ganze Ablauf des Drehs bis ins letzte Detail geplant werden. Die Tiere brauchen beispielsweise morgens nach dem Fressen rund eine Stunde Zeit, bevor der Dreh losgehen kann. Das heisst, dass man sich bereits mehr als eine Stunde vor Drehbeginn in den Stall begibt und die Tiere futtert, pflegt und zurechtmacht.

Nachdem die Tiere bereit sind und das Wetter für allfällige Szenen stimmt, kann der Dreh starten. Sandra Wanner hat das Drehbuch zu ihrem Film nach den Fähigkeiten der Hauptdarsteller und hauptsächlich ihrer Tiere geschrieben. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Tier in gewissen Situationen anders reagiert als geplant. Das ist darauf zurückzuführen, dass Tiere eine extrem ausgeprägte Wahrnehmung haben. Wenn Tiere sich an ihre Umgebung gewöhnt haben und nur eine Kleinigkeit verändert wird, fällt ihnen das direkt auf. Wenn sie nun beim Filmdreh stets jemand mit einer riesigen Kamera verfolgt werden, kann das Stress auslösen.

Sandra Wanner mit Marengo

Abbildung 1: Sandra Wanner mit Marengo

Arnaud Heck mit Marengo

Abbildung 2: Arnaud Heck mit Marengo

Es kann also vorkommen, dass sich Szenen nicht drehen lassen, wie man sich das im Vorfeld vielleicht gewünscht hätte, da das neue Umfeld und die Einflüsse durch das Kamerateam sehr stark auf die Tiere wirken. Falls eine Szene nicht wie gewünscht klappt, gibt man den jeweiligen Tieren erstmal Zeit. Man muss schauen, ob man an der Umgebung des Schauplatzes etwas abändern kann, was eventuell Einfluss auf das Handeln der Tiere haben könnte. Falls diese Strategie wiederum nicht klappen sollte, versucht man, die Szene in einem zeitlichen Abstand von einem Tag noch einmal in den Kasten zu bringen.

Wenn das Tier jedoch auch einen Tag später nicht wunschgemäss gefilmt werden kann, muss die Szene angepasst werden. Menschen sind Menschen und Tiere sind Tiere. Es bringt laut Sandra Wanner nichts, jemanden zu etwas zu drängen, dass er oder sie nicht tun will. Sie besteht darauf, nicht auf Biegen und Brechen eine Szene zu filmen, wenn es dem jeweiligen Hauptdarsteller nicht passt. Das ist in erster Linie auch eine Frage des Respekts.

Die meisten Szenen der Drehs konnten jedoch glücklicherweise so gedreht werden, wie man sich das vorgestellt hat. Die Kameraaufnahmen des Filmes YOU GET WHAT YOU GIVE sind soweit im Kasten. Jetzt ist das Team fleissig am Schneiden und stellt einen wunderschönen und eindrücklichen Tierfilm auf die Beine, der im November veröffentlicht wird. Man darf also gerne gespannt sein!